Berichte - Supervision|Mediation

Aktuelles
Supervision | Mediation
Direkt zum Seiteninhalt

Berichte

Supervision
„Bekanntes wird vorausgesetzt!“ oder warum es gut sein kann, das Feld nicht zu kennen.

Unter den Supervisoren wird manchmal darüber gesprochen, ob es besser sei, sich im „Feld“ auszukennen, also als Supervisior Felderfahrung in dem Bereich zu haben, in dem man Supervison durchführt, oder ob eine gewisse Blindheit im Feld bzw. Feldfremdheit von Vorteil sein kann.
Bei einer Berufsrollenreflexion, so nennt man Supervision in der Ausbildung von Polizeianwärtern, kam es zu der Situation, dass die jungen Polizistinnen und Polizisten einige Einsätze mit Abkürzungen beschrieben und alle Teilnehmer der Berufsrollenreflexion wissend dreinblickten, wenn solche Abkürzungen benutzt wurden. Ich verstand nur Bahnhof. Was bedeuteten diese Abkürzungen, ich hatte keine Ahnung. Und daran ist nichts verwunderliches, schließlich bin ich kein Polizist und in diesem Feld nicht zu Hause. Mein Feld ist mehr die Jugendarbeit und natürlich gibt es da immer mal wieder Überscheidungspunkte mit dem Feld der Polizei, wenn man an Delinquenz im Jugendalter denkt.
Ganz nach Roth Cohn, wenn es eine Störung gibt, hat diese Vorrang und muss geklärt werden, habe ich dann in der Runde nachgefragt. Schnell meldeten sich zwei bis drei eifrige Anwärter/innen zu Wort und erklärten mir die unterschiedlichsten Abkürzungen. Und ich hatte auch das Gefühl, dass sie es schätzten, dass ich nicht so tat, als wüsste ich alles, sondern, dass ich nachfragte und sie mir nun als „Experten/innen“ über ihr Arbeitsfeld Wissen vermitteln konnten. Der eine oder andere mag jetzt denken, „Ja, aber dann gibt man sich eine Blöße als Unwissender und das legen sie Dir schlecht aus und respektieren Dich nicht mehr.“

Dies war mit Nichten so, ganz im Gegenteil, indem ich zeigte, was allen klar war, dass ich ein Fremder im Feld war, entstand eine partnerschaftliche Arbeitsbeziehung, in der man das weitere Vorgehen gemeinsam aushandeln konnte. Aber das ist noch nicht die Pointe dieser Erzählung. Zwei oder drei Anwärter/innen erklärten gerade einige Abkürzungen, als plötzlich ein weiterer junger Polizeianwärter das Wort ergriff und laut in die Gruppe rief: „Jetzt weiß ich endlich, was diese Abkürzung bedeutet.“.
Durch meine Unwissenheit bzw. durch mein Fremdsein im Feld habe ich Allgemeines, was als Bekanntes in diesem Feld vorausgesetzt wird, erfragt. Dieses Nichtwissen wurde mir zugestanden und auch die Frage danach. Dem jungen Polizeianwärter, der die Abkürzung als „Neuer“ auch nicht kannte, war es wahrscheinlich unangenehm nach einer Erklärung für die Abkürzungen zu fragen, weil das Feld (bzw. die Personen, mit denen er es zu tun hatte) sie als bekannt voraussetzt. Meine Fremdheit im Feld und der geschützte Rahmen in der Supervision waren hier also ein Vorteil, da ich Fragen stellen musste, um zu Verstehen. Die dann von den Teilnehmern gegebenen Erklärungen waren dann auch für andere Teilnehmer eine Bereicherung.

Ob Fremdheit im Feld nun eine Bereicherung oder ein Nachteil ist, möchte ich mit diesem kleinen Bericht nicht aufzeigen, aber in diesem Fall war die „Fremdheit im Feld“ von Vorteil.
 
Zurück zum Seiteninhalt